Flüssigkeiten an Bord folgen zwei Regelwerken: streng im Handgepäck, deutlich entspannter im aufgegebenen Koffer. Hier die wichtigsten Regeln, Ausnahmen und Tipps für die Praxis. Die komplette Pack-Liste finden Sie ergänzend im Beitrag Koffer packen: Was mit muss.
Im Handgepäck: die 100-ml-Regel
In der EU und in Großbritannien gelten seit dem 1. September 2024 wieder die strengen Standardregeln für Flüssigkeiten im Handgepäck:
- Maximal 100 ml pro einzelnem Behälter,
- alle Behälter zusammen in einem durchsichtigen, wiederverschließbaren Plastikbeutel mit einem Fassungsvermögen von höchstens einem Liter,
- ein Beutel pro Person.
Entscheidend ist die Größe der Verpackung, nicht die enthaltene Restmenge. Eine 150-ml-Tube ist auch dann nicht erlaubt, wenn sie nur zur Hälfte gefüllt ist.
Was als Flüssigkeit zählt
Die Definition geht weit über klassische Getränke hinaus. Als Flüssigkeit im Sinne der Luftsicherheitskontrolle gelten unter anderem:
- Getränke wie Wasser, Saft und flüssige Joghurts,
- Cremes, Gele, Lotionen, Pasten (Zahnpasta, Haargel, Sonnencreme),
- Sprays, Schäume und Deodorants in flüssiger Form,
- Parfüm, flüssige Kosmetika und Nagellack,
- Nasenspray, Augentropfen, sofern nicht medizinisch begründet,
- viele flüssige Make-up-Produkte wie Eyeliner und Mascara mit hohem Flüssigkeitsanteil.
CT-Scanner: An einigen Flughäfen sind bis zu zwei Liter erlaubt
An Flughäfen mit moderner CT-Scanner-Technologie sind die strengen Regeln gelockert. Reisende dürfen dort Flüssigkeiten in Behältern bis zu zwei Litern mitführen, oft ohne Beutel-Vorgabe.
Beispiele für solche Flughäfen:
- Rom-Fiumicino (Italien),
- München (Deutschland),
- Nürnberg (Deutschland, seit 8. Mai 2026).
Die Lage ist ein Flickenteppich und kann sich kurzfristig ändern. Vor jeder Reise lohnt deshalb ein Blick auf die Website des Abflug-Flughafens. Im Zweifel bleibt es bei den 100 ml.
Wichtige Ausnahmen von der 100-ml-Regel
Auch ohne CT-Scanner gibt es Ausnahmen. Folgende Flüssigkeiten dürfen in größeren Mengen ins Handgepäck:
- Medikamente in flüssiger Form, in Originalverpackung und mit ärztlichem Attest oder Rezept (möglichst auch in englischer Sprache).
- Babynahrung und Babymilch in der für die Flugdauer benötigten Menge.
- Diätspezifische Nahrungsmittel, sofern ärztlich verordnet.
Diese Flüssigkeiten müssen Sie an der Sicherheitskontrolle aktiv anmelden und separat zur Prüfung vorzeigen.
Im aufgegebenen Koffer
Im aufgegebenen Gepäck gelten die 100-ml-Regeln nicht. Trotzdem ist nicht alles erlaubt:
- Alkohol mit mehr als 70 Volumenprozent ist generell verboten.
- Alkohol zwischen 24 und 70 Volumenprozent ist auf fünf Liter pro Person begrenzt und muss in der Originalverpackung sein.
- Alkohol unter 24 Volumenprozent unterliegt den allgemeinen Gepäckregeln (Gewicht, Volumen, Zoll).
- Brennstoffe, Spraydosen mit hohem Gasanteil und gefährliche Chemikalien sind grundsätzlich verboten. Das gilt auch für größere Mengen E-Zigaretten-Liquid.
Für den Transport gilt: alle Flüssigkeiten in wiederverschließbare Plastikbeutel packen und mit Polsterung verstauen. Bei einem Druckverlust im Frachtraum können auch fest verschlossene Flaschen auslaufen.
Praktische Tipps für das Packen
- Reise-Größen kaufen oder umfüllen in maximal 100-ml-Flaschen, das ist die einfachste Lösung für das Handgepäck.
- Doppelte Verpackung für Flüssigkeiten im aufgegebenen Koffer: Originalverpackung plus Zip-Beutel.
- Wichtige Flüssigkeiten (Medikamente, Kontaktlinsen-Pflege) ins Handgepäck, nie nur in den aufgegebenen Koffer.
- Bei Transit über andere Flughäfen gelten die Regeln des jeweiligen Transit-Flughafens. Die strengeren Vorgaben sind im Zweifel sicherer.
Häufige Fragen
Zählt eine halb leere 150-ml-Tube als erlaubt?
Nein. Maßgeblich ist die Verpackungsgröße, nicht die enthaltene Restmenge. Eine 150-ml-Tube ist im Handgepäck nicht zulässig, auch wenn sie nur halb gefüllt ist.
Gilt die 100-ml-Regel auch an deutschen Flughäfen mit neuer Technik?
An Flughäfen wie München und Nürnberg sind dank CT-Scanner-Technologie größere Behälter erlaubt. Andere deutsche Flughäfen halten an der 100-ml-Regel fest. Aktuelle Informationen finden Sie auf der Website des jeweiligen Flughafens.
Was passiert, wenn die Sicherheitskontrolle eine Flüssigkeit aussortiert?
Aussortierte Flüssigkeiten werden entsorgt. Eine Erstattung gibt es nicht. Wer das vermeiden möchte, prüft die Regeln vor dem Packen und nutzt im Zweifel kleinere Behälter.
Darf ich am Flughafen gekaufte Flüssigkeiten mit an Bord nehmen?
Ja. Hinter der Sicherheitskontrolle gekaufte Getränke und Flüssigkeiten sind in der Regel erlaubt, ebenso Duty-Free-Käufe, sofern sie versiegelt sind und der Kassenbeleg sichtbar im Beutel liegt. Bei Anschlussflügen außerhalb der EU können zusätzliche Kontrollen folgen.
Welche Regeln gelten für Alkohol im aufgegebenen Koffer?
Bis 70 Volumenprozent erlaubt: über 24 % bis zu fünf Liter pro Person in Originalverpackung; unter 24 % nach den allgemeinen Gepäckregeln. Alkohol über 70 Volumenprozent ist generell verboten.
Zusammengefasst
Im Handgepäck gilt EU-weit weiterhin die 100-ml-Regel mit einem Liter Plastikbeutel pro Person; an einigen Flughäfen sind dank CT-Scanner-Technologie größere Behälter erlaubt. Im aufgegebenen Koffer sind Flüssigkeiten weitgehend frei, Alkohol und gefährliche Stoffe aber reguliert. Wer vor der Reise einen Blick auf die Website des Abflug-Flughafens wirft und auf gute Verpackung achtet, kommt entspannt durch die Kontrolle.
